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Philipps-Universität Marburg

eingetragen von rudi in Marburg, am 20.08.2009

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Die Philipps-Universität (historisch: Alma Mater Philippina) in Marburg wurde im Jahre 1527 von Landgraf Philipp dem Großmütigen als protestantische Hochschule gegründet. Sie ist damit die älteste protestantische Universität, die heute noch besteht. Sie gehört heute mit 23.337 Studierenden zu den mittelgroßen deutschen Universitäten und hat in mehreren Fachbereichen (Medizin, Jura, Chemie etc.) Renommee als besonders drittmittel- und forschungsstark.

Am 1. Juli 1527 gründete Landgraf Philipp die Universität, der damals elf Professoren und 84 Studenten angehörten. Erster Rektor an der Universität war Johannes Eisermann, genannt Ferrarius Montanus, aus Amöneburg. Die Hochschule nutzte zunächst in erster Linie die vorhandenen Klostereinrichtungen der Dominikaner, Franziskaner und Kugelherren. Zwei Jahre später gründete er auch die Hessische Stipendiatenanstalt, das älteste Studentenwohnheim Deutschlands. Die Universität war Schauplatz der Marburger Religionsgespräche zwischen Martin Luther, Ulrich Zwingli und Philipp Melanchthon. Im Jahr 1541 erhielt der Landgraf von Kaiser Karl V. das Universitätsprivileg, das auf dem Reichstag zu Regensburg ausgefertigt wurde und vor dem Hintergrund des Regensburger Vertrags zwischen dem Kaiser und dem Landgrafen zu sehen ist.

In der Zeit von 1580 bis 1628 war der damals äußerst bekannte Rudolf Goclenius d. Ä. Professor für Philosophie, Logik und Ethik an der Philipps-Universität. Er versuchte, wie zahlreiche andere Professoren seiner Zeit, Melanchthons Philosophie mit der von Petrus Ramus zu verbinden. Im Jahr 1609 wurde Johannes Hartmann zum Professor für Chymiatrie berufen und erhielt damit den weltweit ersten pharmazeutisch-medizinisch orientierten Chemie-Lehrstuhl.

Als Landgraf Moritz zum Calvinismus übertrat, nahm die Universität ebenfalls das reformierte Bekenntnis an (und behielt es bis zum Ende der konfessionellen Ausrichtung 1866), was viele lutherische Professoren an die neu gegründete Gießener Universität vertrieb. Als im Jahr 1624 Marburg vorübergehend an das lutherische Hessen-Darmstadt fiel, wurde die Universität von 1625 bis 1649 mit der Gießener Universität vereinigt und danach geschlossen.
Marburger Student um 1700
Alte Universität
Alte Universität, Detail

Am 24. Juni 1653 wurde die Universität durch Wilhelm VI. (Hessen-Kassel) wiedereröffnet, der den Universitätsstandort des Landes wieder von Kassel nach Marburg verlegte. Die Hochschule erlebte danach wegen der Konfessionalisierung und Finanzknappheit schwere Jahre. Im Jahr 1866 wurde die Philipps-Universität mit der Annexion Hessens durch Preußen königlich preußische Universität mit 264 Studenten (davon 22 Nicht-Hessen) und 51 Professoren.

Nach der Übernahme durch Preußen bis zum Ersten Weltkrieg wurde die Universität allmählich ausgebaut. In diese Zeit fällt der Bau der heutigen Alten Universität durch Carl Schäfer, der als qualitätvolles Beispiel eines Profanbaus der deutschen Neogotik gelten kann. Bedingt durch die Grundstückssituation und das Bestreben, geeignete Gebäude in Staatsbesitz zu nutzen, blieben die Einrichtungen der Hochschule - im Gegensatz zur Campus-Universität angloamerikanischer Prägung, wie z.B. in Bielefeld, Bochum und Konstanz - über die Stadt verteilt, was auch viele Vorteile für Stadt und Universität hat.

Im Jahr 1880 waren 500 Studenten eingeschrieben, und 1887 stieg die Studentenzahl erstmals auf 1.000. Bis 1909 verdoppelte sie sich wiederum. Im Jahr 1908 wurden die ersten Frauen zum Studium zugelassen, und im Jubiläumsjahr 1927 war die Zahl von 3.000 Immatrikulierten erreicht. Ab dem Jahr 1931 (4.387) erlebte die Studentenzahl - auf Grund geburtenschwacher Jahrgänge, ab 1933 aber auch auf Grund nationalsozialistischer Reglementierung (Beschränkung des Frauenstudiums, Vorschalten von Pflichtdiensten wie Reichsarbeitsdienst und Militärdienst vor die Immatrikulation) - einen deutlichen Einbruch.

Historisch gab es zahlreiche prominente Universitäts-Angehörige.

Der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933 folgte die Amtsenthebung Wilhelm Röpkes und seine Emigration in die Türkei sowie die Selbsttötung des jüdischen Professors für indogermanische Sprachen Hermann Jacobsohn am 27. April.

Marburg verfügte historisch über ein ausgeprägtes Couleurstudententum, was bis heute insbesondere anlässlich des alljährlich am ersten Julisonntag stattfinden Marktfrühschoppens der Verbindungsstudenten zu Konflikten und großen Polizeiaufgeboten führt. Marburger Verbindungsstudenten waren 1920 verantwortlich für die Mechterstädter Morde. Bis 1936 erfolgte die weitgehende Selbstauflösung der Marburger Studentenverbindungen im Zuge der Gleichschaltung der Verbindungen in Form so genannter Kameradschaften im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund.

Ab 1960 wurde die Universität wiederum ausgebaut und erweitert, auch um den Anforderungen der nach 1945 stark anschwellenden Studentenschaft zu begegnen (im Sommersemester 1964 zählte diese 8.000 Köpfe). Die Neubauten des Verwaltungsgebäudes, der Mensa und des Hörsaalgebäudes beendeten die ärgste Platznot der weit über ihre Kapazitäten belasteten Universität. Daneben entstand die Philosophische Fakultät an der B3, und die alte Elisabethschule musste dem Savignyhaus der Rechtswissenschaften weichen. Die Auslagerung der Naturwissenschaften auf den Campus auf den Lahnbergen außerhalb der Stadt fand Ende der 1960er Jahre statt.

In den 1970er und 80er Jahren galt die Marburger Universität und insbesondere der Fachbereich 03 „Gesellschaftswissenschaften und Philosophie“ als linke Hochburg. Bereits seit den 1950er Jahren wirkte hier der marxistische Politikwissenschaftler Wolfgang Abendroth. Nach 1968 wurden viele seiner Schüler der „zweiten Generation“ wie Frank Deppe, Georg Fülberth, Reinhard Kühnl und Dieter Boris auf Professorenstellen in der Politikwissenschaft und der Soziologie berufen. Auch die Vertretung der Studierenden war in den 1970er Jahren vom DKP-nahen Marxistischen Studentenbund Spartakus (MSB) und in den 80er Jahren von der Grün Bunt Alternativen Liste (GBAL) geprägt.

Die Philipps-Universität ist heute geprägt durch ihre Vielzahl an kleinen, vor allem geisteswissenschaftlichen Fächern, die zahlreiche Kombinationen ermöglichen. Führend in Rankings ist sie vor allem in den Naturwissenschaften, insbesondere Chemie und Biologie, ebenso wie in der Psychologie. Hervorragend ausgewiesen ist sie beispielsweise in den Materialwissenschaften und der Nanotechnologie, in der Tumorbiologie und der Mikrobiologie, in den Neurowissenschaften, auf dem Gebiet der Optodynamik, der Friedens- und Konfliktforschung sowie weiteren natur- und geisteswissenschaftlichen wie auch medizinischen Fachgebieten. Im Bereich der Forschung gilt sie als überdurchschnittlich erfolgreich, was durch hohe Auszeichnungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, insbesondere elf Leibniz-Preise, belegen.

Bundesweit historisch ohne Vorbild ist der Verkauf des Universitätsklinikums an die Rhön-Klinikum-AG, einen privatwirtschaftlichen Klinikkonzern, zum 1. Januar 2006, nachdem es zuvor mit dem Universitätsklinikum Gießen fusioniert wurde. Das Klinikum heißt seither "Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH Standort Marburg". Im Rahmen des begonnenen zweiten Bauabschnitts des Klinikums auf den Lahnbergen sind inzwischen die beiden Neubauten des Biomedizinischen Forschungszentrums und der Zentralen Medizinischen Bibliothek eingeweiht worden, der Umzug des Mutter-Kind-Zentrums erfolgte im Sommer 2006.

Als Protest gegen die bevorstehende Einführung von allgemeinen Studiengebühren wurde das Verwaltungsgebäude, in dem sich auch das Präsidentenbüro befindet, am 22. Mai 2006 besetzt. Das Gebäude wurde von den Besetzern am 26. Mai 2006 freiwillig wieder verlassen.

Jetzt bietet sich in zentraler Innenstadtlage eine Chance zur Verwirklichung eines neuen „offenen“ Campus für die Geisteswissenschaften. Deren bisheriger Gebäudekomplex in der Wilhelm Röpke-Straße soll komplett aufgegeben werden zugunsten eines neuen Campus am Alten Botanischen Garten, der nach den Plänen der Universität die Anziehungskraft eines Teiles der Universität im „Herzen der Stadt“ steigern und das bisherige Klinikviertel städtebaulich aufwerten soll. Dagegen bleiben die Naturwissenschaften und die Medizin weiterhin auf dem Campus Lahnberge weit außerhalb der Stadt.

Zwölf Prozent der Studierenden kommen aus 120 Nationen, über die Hälfte der Studierenden sind mittlerweile weiblich.

Tags:
Uni, Universität

Kategorie:
Kultur

Adresse:
35032 , Biegenstraße 10

Internet:
www.uni-marburg.de/


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